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Äthiopien

Zu jung zum Heiraten

Die 12-jährige Tizalem steht gegen die Mauer gelehnt, die die Hütte ihrer Eltern umgibt. Sie wartet auf die Frisöse, die ihre Haare zu neuen Zöpfchen flechten wird. Es ist der Tag vor Tizalems Heirat mit dem 24-jährigen Gegahun.

Tizalem ist gar nicht mal eine so junge Braut. In Äthiopien, aber auch in anderen Ländern in Ost- und Westafrika sowie in Südasien, sind Mädchen bei ihrer Hochzeit oftmals sieben oder acht Jahre alt. Viel zu jung für eine Ehe. Denn viele Mädchen dürfen nicht mehr zur Schule, sobald sie geheiratet haben. Und ihr Körper ist zu verletzlich, als dass er schon Kinder gebären könnte. Darum setzt sich UNICEF in 70 Ländern dafür ein, dass die Gefahren einer frühen Heirat bekannt sind und eine Eheschliessung für minderjährige Kinder per Gesetz verboten wird.

Nachdem das Haar von Tizalem geflochten ist, taucht Tizalem ihre Hände in eine rote Flüssigkeit. Für spezielle Anlässe werden die Hände und Füsse von Mädchen und Frauen nämlich gefärbt. Am Tag ihrer Hochzeit wird Tizalem in einen weissen Umhang gekleidet, der ihr Gesicht bedeckt. Sie sitzt neben ihren Eltern, die mit den Eltern des zukünftigen Ehemannes den Ehevertrag aushandeln. Man einigt sich darauf, dass das junge Paar Rinder von beiden Familien bekommt. Und auch, dass Tizalem weiterhin die Schule besuchen darf.

In der Zwischenzeit haben sich Familienmitglieder und Freunde im Dorf versammelt, um das Hochzeitsfest zu feiern. Während des Festes sitzt Tizalem verhüllt in ihrem Umhang still neben ihrem Ehemann. Nach dem Fest wird sie in die Hütte von Gegahun und seinen Eltern ziehen.