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Bolivien

Carla fand den Weg zurück in die Schule

Es ist erst ein Jahr her. Damals verkaufte die 10-jährige Carla den ganzen Tag lang Zigaretten und Süssigkeiten in den Strassen und Bars in der bolivianischen Stadt El Alto. Da ihre Eltern nur wenig Geld zum Wohnen und Essen hatten, schickten sie Carla bereits als 7-Jährige zum Arbeiten. Als Strassenverkäuferin lebte sie gefährlich. Denn sie arbeitete oft die ganze Nacht hindurch bis fünf Uhr morgens.

Carla hatte viele Freundinnen und Freunde, die ebenfalls auf der Strasse lebten. Mit einigen wollte sie jedoch nichts zu tun haben: Mit den Kindern, die jeden Tag an einer Tube Leim schnüffelten. Der Geruch vernebelte ihnen die Sinne und sie konnten Hunger und Kälte vergessen. Carla wusste, dass das Schnüffeln nichts nützte und nur krank machte.

Im Jahr 2003 begegnete Carla einer Frau, die im Mädchenheim Casa Kantuta arbeitete. Das Mädchenheim wird von UNICEF unterstützt. Als die Frau hörte, welch schwieriges Leben Carla hatte, lud sie Carla ein, im Heim zu leben.

Carla sagte zu. Sie ist die jüngste von 20 Mädchen, die im Casa Kantuta leben. Um sechs Uhr morgens steht sie auf, wäscht zusammen mit den anderen Mädchen die Kleider im Innenhof und bereitet das Frühstück vor. Anschliessend geht sie zur Schule – dort ist sie sehr gerne. Ihr Lieblingsfach ist Biologie. Sie möchte alles über Pflanzen und Tiere wissen.

Carla träumt davon, eines Tages an der Universität zu studieren. Sie will Lehrerin werden. Und sie will Strassenkindern helfen, wieder ein normales Leben zu führen.