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Anisa wird Händlerin

Wie ein Esel in Eritrea das Leben der Menschen verändert


Anisa hat einen Esel. Und einen Esel zu haben, ist in Eritrea sehr viel wert. Er bedeutet Reichtum, und mit ihm kommt die Anerkennung. Denn der Esel bringt Anisa zur Schule. Und mit dem Esel holt sie täglich Wasser vom grossen Brunnen. Sie nimmt dabei immer zwei Kanister mehr mit, als die Familie eigentlich braucht. Diese füllt sie und gibt sie unterwegs beim Kaffeehaus ab. Dann kommt für Anisa etwas ganz Besonderes: Der Wirt bezahlt sie nämlich mit einem Nakfa. So heisst das Geld in Eritrea.

Anisa ist inzwischen eine kleine und erfolgreiche Händlerin. Und das mit 11 Jahren! Sie hat grosse Träume. Sie will in den Ferien mit einem kleinen Holzhandel beginnen. Denn auf dem Weg zur Wasserstelle gibt es eine mit Büschen bewachsene Gegend. Holz sammeln und dieses verkaufen, würde ihr ein paar weitere Nakfas einbringen.

Ihre Mutter sorgt sich. Anisa ist nicht gut zu Fuss. Vor vier Jahren trat sie nämlich auf eine Mine und verlor ihr linkes Bein. Aber darüber mag Anisa nicht gerne reden. Auch nicht darüber, dass das Leben alles andere als einfach ist. Anisas Vater starb im Krieg. Seither lebt sie mit ihrer Mutter am Rand des Dorfes. Geld haben sie kaum.

Seit die Familie von UNICEF einen Esel erhalten hat, geht es aufwärts. «Anisa schaut zu ihm wie zu einem kleinen Bruder», lacht ihre Mutter. Noch nie hätte er gelahmt, nie gehungert. Noch nie hätte Anisa ihn geschlagen. Als Gegenleistung für den Esel muss Anisa regelmässig die Schule besuchen und sich wegen ihrer Beinprothese behandeln lassen. Ihre Lehrerin wacht darüber. Würde Anisa nicht mehr zur Schule gehen oder das Tier schlecht behandeln, müsste der Esel zurückgegeben werden. Dann ginge er an eine andere Familie im Dorf.

Das Mädchen verschwindet in der Hütte und bringt ein kleines Heft: es sind ihre Zeugnisse. Überall steht «gut» oder «sehr gut».