Könnt ihr euch vorstellen euren jüngeren Geschwister Vater und Mutter zu ersetzen: zu kochen, zu putzen, zu waschen und Geld zu verdienen? Jacqueline ist erst 15 Jahre alt, muss aber schon erwachsen sein. Sie sorgt für ihre vier Schwestern und Brüder. Die Kinderfamilie lebt in Ruhenda, einem Dorf im Norden Ruandas. 300'000 Kindern in diesem Land im Herzen Afrikas geht es ähnlich wie ihnen. Sie haben ihre Eltern durch den vergangenen Bürgerkrieg oder eine Krankheit wie Malaria oder AIDS verloren. Sie müssen sich jetzt alleine durchschlagen.
Speciose (11 Jahre), Josephine (13 Jahre), Cyriaque (1 Jahr) Jacqueline und Sebastian (6 Jahre) wohnen in einer kleinen Hütte aus Lehm und Holz. Während der Regenzeit pfeift der Wind durch die Fugen und den Türschlitz und es wird empfindlich kalt. Nachts kuscheln sich die Geschwister auf ihren Matten eng aneinander um sich gegenseitig zu wärmen, denn sie haben nicht viele Decken und ihre Kleidung ist dünn. Sie sind deshalb auch häufig krank, und Geld für einen Arztbesuch oder Medikamente haben sie nicht.
Jacqueline steht immer als erste auf und kocht für ihre Geschwister ein einfaches Essen aus Maniok und Bohnen. Drei Steine vor ihrer Hütte dienen ihr als Kochstelle. Danach muß Jacqueline zum Fluß hinab ins Tal steigen um Wasser zu holen. Das ist anstrengend, spart aber Geld. Denn im Dorf gibt es zwar auch eine Zapfstelle, aber dort kostet der Kanister Wasser fünf Rappen – zuviel für die Kinder.
Das kleine Holzfahrrad ist das einzige Spielzeug, das sie besitzen. Sie sind sehr stolz darauf und passen gut auf, dass es nicht kaputt geht. Denn sie haben niemand, der es reparieren kann. Viel Zeit damit zu spielen, bleibt ihnen jedoch nicht. Sie müssen den kleinen Acker neben ihrem Haus sorgfältig bestellen und pflegen, denn sie leben von dem Obst und Gemüse, das sie dort anbauen. „Wenn es nicht reicht, helfen uns die Nachbarn mit Kartoffeln aus“, versichert Jacqueline. Ohne deren Hilfe wäre das Überleben noch schwieriger.
UNICEF will diesen Kinderhaushalten helfen. Damit sie genug Nahrungsmittel anbauen und vielleicht sogar einen Teil des Ertrags auf dem Markt verkaufen können, sollen sie sich zu einer Gemeinschaft zusammenschließen. Diese bekommt von der Gemeinde zusätzliches Ackerland zur Verfügung gestellt, auf dem die Kinder anpflanzen können.
UNICEF gewährt den Kinderhaushalten ausserdem kleine Kredite, mit denen sie beispielsweise Hühnerküken kaufen können. Diese ziehen die Kinder groß und verkaufen sie gewinnbringend auf dem Markt. UNICEF Schweiz sammelt Spenden für Ruandas Kinderhaushalte, in Form von Projektpatenschaften.
